Meeresschildkröten-Nationalpark akut bedroht
Die Regierung Costa Ricas unter Präsident Oscar Arias hat 2007 die Kampagne "Paz con la Naturaleza" (Frieden mit der Natur) gestartet, um den Ruf des Landes als führende Nation in Sachen Umwelt- und Naturschutz zu festigen. Leider sieht die Wirklichkeit ganz anders aus, denn Präsident Arias verfolgt eine Politik der wirtschaftlichen Expansion ohne Rücksicht auf die Natur seines Landes. So werden Großprojekte wie neue Flughäfen, Goldminen, Kraftwerke, Jachthäfen und Hotelanlagen in sensiblen Gebieten gefördert.
Vor kurzem hat Staatspräsident Arias dem Parlament Costa Ricas einen Gesetzesentwurf (Nr. 17383) vorgelegt, wonach jener Teil des Strandes innerhalb des Nationalparks Las Baulas, an dem die Eiablage der Lederschildkröten stattfindet, in eine sogenannte "zona mixta" umgewidmet werden soll, um Platz für Hotels und Apartment-Häuser zu machen. Eine Umwidmung ist nur möglich, weil sich dieser Strand noch in Privatbesitz befindet; wäre das Land schon gekauft und im Besitz der Nationalparkverwaltung, wäre eine Änderung verfassungsrechtlich ausgeschlossen.
Der Nationalpark Las Baulas auf der Nicoya-Halbinsel im Nordwesten Costa Ricas ist einer der wichtigsten Nistplätze einer weltweit vom Aussterben bedrohten Meeresschildkrötenart: der Lederschildkröte (span.: baula). Die Zerstörung ihres Lebensraumes würde das Ende der Lederschildkröten (einer 65 Mio. Jahre alten Art) bedeuten! Es wäre das erste Mal in der Geschichte des Naturschutzes in Costa Rica, dass die Fläche eines Nationalparks verkleinert wird, und könnte einen Präzedenzfall für weitere Auflösungen geschützter, aber noch nicht freigekaufter Gebiete bedeuten.
Entscheidung vorläufig aufgeschoben
Zahlreiche costaricanische und internationale Naturschutzorganisationen (wie WWF, The Nature Conservancy oder Conservation International ) haben sich zusammengeschlossen, um mit einer E-mail-Kampagne den Nationalpark Las Baulas zu verteidigen. Namhafte Wissenschaftler und Naturschützer haben bereits heftig protestiert, ein Protestmarsch hat am 25. August in der Hauptstadt San José stattgefunden, und unser Obmann Michael Schnitzler hat einen offenen Brief an die Botschafterin Costa Ricas in Österreich, Ana Teresa Dengo, geschrieben, der bereits im World Wide Web zirkuliert (
http://blog.natureair.com,
www.elpais.cr/articulos.php?id=11646). Nach Aufrufen von Regenwald der Österreicher und Rettet den Regenwald sind über 6000 Protestschreiben im Parlament eingelangt. Vielen Dank!
Die Abstimmung wurde immer wieder verschoben und konnte nicht mehr während der Amtsperiode von Staatspräsident Oscar Arias durchgeführt werden. Nachfolgerin Laura Chinchilla gilt als umweltfreundlicher, und man erwartet, dass sie die Umwidmung von La Baulas nicht mehr so stark befürworten wird, als ihr Vorgänger. Die Angelegenheit ist zwar nicht weg vom Tisch, aber die Aussichten stehen gut!


